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2. Kapitel
Die Übersetzungen

A. Zum Problem des Übersetzens

Neben den persönlichen Kontakten und kulturhistorischen Faktoren gehören die Übersetzungen zu den wichtigsten Vorgängen der Vermittlung. Opitz stand im Ansehen eines vorbildlichen Übersetzers. Schottel nennt ihn einen ‘Meister in der Teutschen Sprache... der die Dolmetsch-Kunst gewust,’1 und Scherffer preist die deutsche Ausgabe der Psalmen Davids als ein ‘löbliches meisterstükk ... daß noch zur zeit man keinen gesehen/ ders Ihme gleich gethan hat.’2 Opitzens Übersetzungen haben dazu beigetragen, dass die Dichtung von Heinsius in Deutschland grosse Verbreitung fand:

Daniel Heinsius ... hat insonderheit in der Niederteutschen Sprache/ was die Poesin zuvoderst betrift/ ein trefliches Meisterstükk zu auspfälung des Grundes verrichtet/ seine Landsleute so wol/ als unsere Hochteutsche angelokket/ die Nachfolge zuversuchen oder das Niederteutsche in das Hochteutsche zuversetzen/ wie ... aus dem Opitio selbst bekant.3

Es ist bekannt, in welch hohem Grade das Schrifttum des 17. Jahrhunderts auf Übersetzungen beruht. Sie sind ein entscheidender Anstoss auf dem Wege zu einer eigenen nationalen Dichtung, durch sie werden Motive und Formen eingeführt und für das eigene Schaffen nutzbar gemacht. Zu den traditionellen Beweggründen der Übersetzungen in Frühzeiten klassischer Perioden der Literatur gehört der Nachweis der Gleichwertigkeit der eigenen mit anderen Sprachen. Opitz wollte ihn mit den Teutschen Poemata aufstellen:

Ihm sey aber doch wie jhm wolle, bin ich die Bahn zu brechen, vnd durch diesen anfang vnserer Sprache Glückseeligkeit zu erweisen bedacht gewesen. Solches auch desto scheinbarer zumachen, hab ich einen zimlichen Theil dieses Büchlins auß frembden Sprachen vbersetzen wollen; daß man auß gegenhaltung derselben die Reinigkeit vnd Zier der vnseren besser erkennen möchte.4

Darüber hinaus gibt es die Motive der Sprachbeherrschung und der poetischen Übung. Rist begründet seine Übersetzungen damit, dass er ‘in erlernung frembder Sprachen desto fertiger möchte werden,’5 und Lund bekennt, er habe von Jugend auf eine Zuneigung gehabt, ‘unterschied-

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licher Sprachen Kundschafft ze erlangen.’6 Aber das Erlernen fremder Sprachen geschah nicht um seiner selbst willen, es wurde als Voraussetzung für die Dichtung in der Muttersprache angesehen. Scriverius berichtet, dass Ronsard

twaeleff gheheele jaren besich is gheweest om hem inde Griecksche tale te oeffenen ... alleenlicken om zijn eyghen tale te schrijven, ende de maechdekens van Parnassus na sijn vaderlandt te trecken.7

Opitz übernimmt diese Stelle in die Poeterey und fügt die Mahnung hinzu, dass derjenige, der sich an die deutsche Dichtung ohne Kenntnis der antiken Sprachen mache, vergeblich arbeite, und dass es eine gute Übung sei, aus ihnen zu übersetzen.8 Diese Forderung findet sich in der Folgezeit in fast allen Barockpoetiken. Opitz erkennt nach dem Beispiel der Leidener Humanisten die Notwendigkeit, aus den klassischen Sprachen zu übersetzen, die Praxis seines ersten Gedichtbandes allerdings sieht anders aus: dem überwiegenden Teil der Übertragungen liegen Vorlagen in den modernen Sprachen zugrunde, unter denen die niederländische am stärksten vertreten ist. In dem bedeutsamen Kapitel seines Lehrbuches ‘Von der Vbung im Schreiben/ und insonderheit von ... dem Vbersetzen’ empfiehlt Titz dem jungen Liebhaber der Poesie, er solle

eben diejenigen Sachen/ welche unser Opitz selbst ... aus andern Sprachen in Deutsche Verse gebracht [hat] auch darein überzuset-zen für sich nehmen/ und darnach beyde Vbersetzungen fleissig gegen einander halten und besehen ..9

Opitz und Titz sprechen von der ‘Gegenhaltung’, und sie beziehen sich damit auf die wörtliche Übersetzung, die am Anfang der neuen Epoche der Übersetzungskunst steht. Die Sprache musste ja erst bereitet und auf ein poetisches Niveau gehoben werden, eine Leistung, die so hoch bewertet wurde, dass Harsdörffer urteilt, ‘es mag vielleicht nicht mindere Kunst seyn/ etwas gründlich zu übersetzen/ als aus seinem Hirn zu erfinden.’10 Die wörtliche Übersetzung ermöglichte durch den Vergleich beider Texte eine Beurteilung der sprachlichen Möglichkeiten und der eigenen Leistung. So schreibt Lund, er habe manche Gedichte ‘Wort zu Wort’ übertragen,11 und Opitz widmet seinen Lobgesang auf Bacchus dem Niederländer Verlingen, weil dieser wegen seiner Muttersprache am besten Zeugnis von der ‘trewe’ der Übersetzung geben könne.12 Man war sich der Schwierigkeiten der Wörtlichkeit durchaus bewusst. Constantijn Huygens fasst sie prägnant in dem Satz zusammen: ‘Neemtmen de ruymte in't Oversetten, soo kan de waerheid niet vrij van geweld gaen: staetmen scherp op de worden, soo verdwijnt de geest vande uytspraeck.’13 Auch bei Opitz finden sich Klagen über und Entschuldigungen für die Hindernisse, die sich ihm beim Versuch einer wörtlichen Übersetzung in den Weg stellten. In der Vorrede zu Senecas Trojanerinnen heisst es:

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ein jegliches Wort aber außzudrucken/ vnd sich an die Zahl der Verse zu binden/ habe ich fast vnmüglich zu seyn befunden ... So hat auch die Lateinische Sprache viel Eygenschafften/ derer vnsere/ vnd vnsere viel/ derer jene nicht fähig ist ...14

Die Schwierigkeiten erwachsen dem Übersetzer aus der unterschiedlichen Struktur des Deutschen und Lateinischen. Aber auch bei modernen Sprachen kehren die Klagen wieder, so zum Beispiel in der ‘Vorrede deß Dolmetschen’ zur Übersetzung von Sidneys Arcadia:

Es versuchs einer ... frembder Sprachen Verß in Teutsche Reymen vnd gleiche Zahl der Sylben/ohn Verstümpelung deß Innhalts/ zubringen; ich weiß/ er wirt/ neben mir bekennen müssen/ daß es nicht so gar leicht zuthun ...15

Opitz schreibt weiter, er habe nach dem englischen Original und einer französischen Übersetzung gearbeitet. Sein Text wäre ein weit besserer geworden, wenn er nicht ‘in frembder Sprachen Schranken eingesperrt ... vnd an deß Authoris ... Sensum’ gebunden gewesen wäre. Die Schwierigkeiten waren so gross, dass er sogar die von ihm selbst aufgestellte Forderung nach Reinheit der deutschen Sprache verletzte: es werden ‘sich ... viel beschwären, daß so viel frembde Wörter mit eingemischt’, und als Begründung führt er an: ‘weil ich sonst offt vieler Vmbschwaiff von Nöthen gehabt hätte.’16 Dem Streben nach Wörtlichkeit steht die behauptete Unmöglichkeit einer wörtlichen Übersetzung gegenüber. Es muss aber beachtet werden, dass alle diese Äusserungen im Zusammenhang mit Übersetzungen aus dem Lateinischen und den romanischen Sprachen niedergeschrieben wurden. Sie gelten daher auch nur für diese und dürfen nicht verallgemeinert werden. Es gibt neben der schon zitierten Widmung an Verlingen weitere Bemerkungen von Opitz zu seinen Übersetzungen aus dem Niederländischen. In Bezug auf den Bloem-Hof spricht er allgemein von holländischen Versen, die ihn ‘wegen sonderer bequemigkeit’ zur Nachahmung angeregt hätten, wenn ihn ‘der verdruß schweren Studierens’ befiel,17 und den Lobgesang auf Bacchus habe er ‘lust halben in Hochdeutsch gebracht.’18 Der Grund für diese Diskrepanz liegt auf der Hand: es fiel den jungen Dichtern leichter, aus dem verwandten Niederländischen als aus entfernteren Sprachen zu übersetzen.19 Fast alle begannen mit lateinischer Dichtung, deren Form-, Sprach- und Bildvorrat jedem durch lange Übung verfügbar war. Es war für sie bestimmt einfacher, solche Verse zu verfassen, als sie in die Muttersprache zu übersetzen. Die Ursachen dafür liegen in der mangelnden Übung und Ausschmückung der deutschen Poeterei, im Fehlen einer einheitlichen Sprache und in den Schwierigkeiten der Reimfindung.19a Beim Übergang von der lateinischen zur volkssprachigen Poesie bot sich die niederländische Literatur als hilfreiches Zwischenglied an. Sie hatte den Prozess bereits vollzogen und eine muttersprachliche Form erhalten, die sich leicht ins Deutsche übernehmen liess. Die Über-

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setzungen stehen genetisch am Anfang der neuen Kunstdichtung. Es wird richtig sein, die aus dem Niederländischen denen aus anderen Sprachen voranzusetzen und ihnen somit im Schaffen der jungen Dichter einen bedeutenden Platz zuzuweisen.

Die Bevorzugung des Niederländischen zeigt sich auch dann, wenn ein Gedicht in mehreren Sprachen vorlag und die Übersetzung nicht auf den originalen Text zurückgeht. Der Vorgang, den man am besten als vermittelte Übersetzung bezeichnet,20 hat seinen Ursprung in einem noch unkritischen Verhältnis zum Original. Er gehört zu den weitverbreiteten Praktiken der Zeit, und es ist keine Seltenheit, dass im Titel die ganze Genese angegeben wird.21 Von der 12. Idylle Theokrits kannte Opitz das griechische Original, darüber hinaus aber auch die lateinische und holländische Übersetzung von Heinsius:

so weiß ich doch nicht wie ... [Theokrits] Aites mir sonderlich behaget: inmassen ich denn auch halte/ das Heinsius gleichfals grossen gefallen daran treget/ der dieses Idyllion Lateinisch vnnd Hollendisch gegeben.22

Von den drei ihm vorliegenden Texten arbeitete Opitz nach dem Niederländischen, in dem das Original durch Paraphrasen und Zutaten um rund ein Drittel erweitert und somit stark verändert ist. Die Verhältnisse liegen hier einfach, da er selbst die vermittelnde Übertragung angibt. Aber wenn statt dessen nur die originale Quelle genannt wird, ist der Zusammenhang nicht mehr so leicht durchschaubar, und es besteht die Gefahr, dass man die Übersetzerleistung falsch einschätzt. So lobt Rubensohn Opitz' ‘Hirtengesang’ (Nr. 17), der in späteren Ausgaben mit ‘Aus Ronsardts Erfindung’ überschrieben ist, als eine Übersetzung die die Vorlage weit übertreffe.23 Und noch kürzlich hat Berent beide Texte verglichen und daraus Schlüsse für die Liebesauffassung von Opitz gezogen.24 Aber wiederum liegt der Übersetzung nicht das Original zugrunde, sondern eine Bearbeitung aus dem Boem-Hof,25 und alle positiven Eigenschaften, die Rubensohn hervorhebt, wie Geschmeidigkeit, Volkstümlichkeit, Selbständigkeit in der Hinzufügung des Schäferkostüms, finden sich bereits in der niederländischen Vorlage. Dass Opitz zur Zeit der Übersetzung neben dem niederländischen Zwischenglied auch die Originale kannte, zeigen die folgenden Beispiele. Das Sonnett Nr. 72 aus den Teutschen Poemata trägt die Überschrift ‘auß dem Latein Adeodati Sebae’, Opitz' Vorlage aber befindet sich ebenfalls im Bloem-Hof. Einige Varianten jedoch deuten darauf hin, dass er auch das lateinische Gedicht zu Rate zog.26 Die Gedichte, die er aus dem Thronus Cupidinis übersetzte, sind so angeordnet, dass das französische Original auf der linken, die holländischen Übertragungen auf der rechten Seite gedruckt sind. Weevers hat überzeugend nachgewiesen, dass er von den holländischen Texten ausging und nur in einzelnen Fällen auf das Französische zurückgriff.27

Der gesamte Bestand der vermittelten Übersetzungen lässt sich auch

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annähernd nur schwer erfassen. Hierzu wären eingehende Spezialuntersuchungen nötig, die auch noch bei Opitz zu überraschenden Ergebnissen führen könnten. Es erscheint nicht ausgeschlossen, dass zum Beispiel auch die Übersetzungen der Sonette von Veronica Gambara in diesen Bereich gehören. Bei der Beurteilung einer Übersetzung wird stets Vorsicht geboten sein, da zwischen dem Original und der deutschen Version oft ein doppelter oder gar dreifacher Abstand besteht. Die Beispiele haben gezeigt, in welchem Masse die holländische Sprache anderen vorgezogen wird. Die Voraussetzung dafür ist, dass die niederländische Literatur selbst zu einem grossen Teil aus Übersetzungen besteht. An der vermittelten Übersetzung lasst sich ihre Mittlerstellung deutlich erkennen.

Um die Mitte des Jahrhunderts wurde die Frage des Übersetzens problematisiert. Das zeigt sich schon rein äusserlich daran, dass es bisher nur verstreute Bemerkungen gab, jetzt aber in längeren Ausführungen in den Poetiken dazu Stellung genommen wird. Die Beschäftigung setzt relativ plötzlich ein. Zwar haben Titz in seinem Lehrbuch und Harsdörffer im ersten Band der Frauenzimmer-Gesprächspiele schon einige in die Zukunft weisende Gedanken, aber erst mit dem Poetischen Trichter kommt es zu einer intensiven Behandlung. In Holland bietet sich nur um weniger Jahre früher ein ähnliches Bild. Mit Vossius und Vondel nimmt Amsterdam hier die wichtigste Stelle ein. Ersterer trat als Theoretiker hervor und veröffentlichte 1647 eine schmale Abhandlung ‘De Imitatione’, die ein Buch der praktischen Unterweisung sein sollte. Sie sei - so schreibt Vossius an den Leser - auf vielfältige Bitten seiner Freunde entstanden. Er habe sich in der Darstellung der Kürze bedient, da er sich vor allem die Jugend zur Leserschaft wünsche.28 Der Wert des Werkes liegt weniger in der Mitteilung neuer Erkenntnisse, sondern in der fleissigen und übersichtlichen Kompilation, die im Dienste der didaktischen Absicht des Autors steht. In den vier Kapiteln wird darüber gehandelt, was ‘imitatio’ ist, ob sie notwendig sei, welche Dichter und auf welche Art man sie nachahmen solle. Vondel äusserte sich zu diesen Fragen in den Vorworten seiner Werke, an denen sich der Weg von einem wörtlichen Übersetzer zu einem mitgestaltenden Nachahmer ablesen lässt.29 Bei seiner engen Verbindung zu Vossius ist es nicht erstaunlich, dass dessen Ansichten in seine Darlegungen eingingen.

Die Gedanken sind zu einem grossen Teil Allgemeingut. In Deutschland und Holland beruft man sich mit Vorliebe auf das Zeugnis von Seneca, Quintilian und Cicero. Man wird die Übereinstimmungen nicht vorschnell als Abhängigkeiten deuten dürfen, es sprechen aber einige Umstände dafür, dass die deutschen Theoretiker Anregungen von der Amsterdamer Übersetzerschule empfingen.30 Einen deutlichen Hinweis enthält der Bericht Harsdörffers von Vondels Beurteilung der dichterischen Leistung Opitzens:

der berühmte J. van der Vondeln ... [hat] unsern Seel. Martin Opitz für keinen Poeten gehalten/ weil er das meiste aus andern
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Sprachen übersetzet/ und wenig aus seinem Gehirn zu Papier gebracht/ und also mehr nicht/ als das Lob eines guten Dolmetschers ... zu erfordern habe.31

Die unterschiedlichen Standpunkte treten klar hervor. Vondels Kritik an Opitz richtet sich gegen die wörtlichen Übersetzungen, an denen sich die Diskussion entzündet. Nachdem der Grund einer Dichtersprache gelegt worden war, werden sie zurückhaltender beurteilt. Bei der Übertragung, die Wort für Wort dem Original folgt, besteht die Gefahr, dass sie die Sprachstruktur der Vorlage übernimmt und somit gegen den eigenen Sprachgeist verstösst:

Hier ist auch etlicher Latinisirendes Teutschreden zu bemercken/ welche vermeinen/ wann sie Wort von Wort übersetzen/ so haben sie es meisterlich ausgerichtet/ man pflege gleich also zu reden/ oder nicht.32

Neben diesem Einwand meldet sich das Unbehagen an einer nur sklavischen Nachfolge der Vorlage. Man forderte eine eigene Leistung, denn nur so verdiene jemand den Namen eines Dichters. Für den wörtlichen Übersetzer fand man abwertende Bezeichnungen und behauptete mit J.C. Scaliger, er sei ‘ex aliorum ... ingeniis Poeta, ex suo Versificator.’33 Die Unterscheidung zwischen Dichter und Versemacher zeigt, dass man sich von der bloss verbalen Erfassung der Vorlage löste und sich zur Sache, zum Inhalt selbst wandte. Man muss ‘den Wortverstand zurucke lassen und die Meinung allein dolmetschen ...’34 Es wird sich bei der Analyse der Übersetzungen von Opitz zeigen, dass dieser eine solche Vorschrift noch nicht befolgte. Das Streben nach Wörtlichkeit und der enge Anschluss an die Vorlage entstellen zuweilen den Inhalt.

Wenn die ‘imitatio’ auch eine eigene Leistung erforderte, so war damit doch kein Originalkunstwerk gemeint. In immer neuen Wendungen versucht man den Schaffensprozess darzustellen. Der Dichter ist derjenige, der viele Bäche zu einem poetischen Fluss zusammenfasst, oder er gleicht nach dem Bilde Senecas den Bienen und trägt das in verschiedenen Büchern Gelesene zusammen, mischt es und gestaltet daraus ein anderes Kunstwerk.35 Die Bilder drücken aus, dass damit ein einheitliches und geschlossenes gemeint ist. Die eigene ‘inventio’ aber besteht nicht in der Neuartigkeit, sondern in der Andersartigkeit. Wo die Grenze zwischen fremdem Anspruch und eigener Leistung gezogen wurde, zeigt die Auffassung vom Plagiat. Es ist ein verbreiteter Irrtum, dieses sei im 17. Jahrhundert eine unbekannte Norm gewesen. Dagegen sprechen die vielen Vorschriften, die schon im 16. Jahrhundert erlassen wurden. In der jahrelangen Freundschaft zwischen Köler und Tscherning soll es gerade wegen eines Plagiatstreites zum Bruch gekommen sein.36 Die moderne Definition als eines literarischen Diebstahls, bei dem man fremde Werke vollständig oder auch Teile daraus ohne Angabe des Urhebers als die eigenen bezeichnet, lässt sich allerdings nur unvollständig anwenden.

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Übernimmt man ein ganzes Gedicht oder grosse Teile, dann ist es erforderlich, die Quelle anzugeben. Wenn ‘ich aber eines andern Meinung nicht vollkommenlich behalte/ sondern von derselben gleiche Gedanken absihe und denselben nachahme/ von eignem Wolvermögen darzu thue/ und nach meinem Vorhaben richte ...’,37 dann darf und soll sie sogar fortbleiben. Das geschickte Umstellen, Auslassen und Hinzufügen wird als ausreichende eigene Leistung betrachtet. Das Ziel ist es, dem eigenen Werk eine derart veränderte Gestalt zu verleihen, dass die Vorlage dahinter nicht mehr erkennbar ist: ‘ich will sagen/ dz die beste Dolmetschung ist/ welche man für keine Dolmetschung hält.’38

Eine solche Stellung zum Original wird durch die ‘aemulatio’ ergänzt. Die andere Farbe und das neue Kleid des eigenen Werkes führten zum Vergleich mit den Mustern. Hatte die Gegenhaltung bei der wörtliches Übersetzung den Zweck, das Können und die Texttreue zu beweisen, so steht sie bei der Imitatio im Dienst eines Wettstreites. Man wollte die Vorlage nicht allein vergessen machen, sondern sie nach Möglichkeit übertreffen. In diesem Sinne schreibt Harsdörffer:

Es füget sich auch/ daß diese Nachahmung nicht nur dem urständigen Stücke (Original) gleich/ sondern von dem Meister der Kunst noch wol besser gemacht wird.39

Findet die ‘imitatio’ in der ‘aemulatio’ eine positive und steigernde Fortsetzung, so hat sie in einem wahllosen Eklektizismus eine negative Entsprechung, die sich in der Gebrauchskunst, namentlich der Hochzeitsdichtung, zeigen wird.

B. Die niederländische Sprache in Deutschland

Es ist eine undankbare Aufgabe, über das Ansehen der niederländischen Sprache in Deutschland zu schreiben, da man immer wieder auf eine abweisende und höhnische Haltung stösst. Während des 18. und 19. Jahrhunderts wurde zwischen der niederländischen Sprache und dem deutschen Verständnis eine Schranke von Vorurteilen errichtet, die bis heute nicht aufgehoben wurde. Die Vorwürfe lassen sich in zwei Klassen einteilen. Einmal stösst man sich am Klang. Die gutturalen Reibelaute und die breite Aussprache des ‘ei’ sind keine Musik für an romanischen Sprachen geschulte Ohren. Das Niederländische wird daher als ‘versumpft und in Gurgellaute ausgeartet, misstönend und dumpf’1 und als ungeeignet für eine poetische Verwendung bezeichnet. Der andere Vorwurf wiegt wesentlich schwerer und hat weitreichendere Konsequenzen. Man begegnet oft der Ansicht, das Niederländische sei lediglich ein Dialekt der deutschen Hochsprache und daher leicht zu lernen, es sei dem Plattdeutschen eng verwandt und daher nicht als eigenständige Sprache anzusehen. Das beruht auf einer vordergründigen Kenntnis, die sich auf den allerersten Eindruck stützt, der einer intensiven Beschäftigung nicht

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standhält. In einem Brief von 1875, dessen Absender selbst als plattdeutscher Dichter hervorgetreten ist, werden die Unterschiede betont:

Im Holländischen hoff' ich Fortschritte zu machen; ich hoff' es zu lernen, wie das Englische und Französische; aber fühlen werd' ich es nie ... In diesem Sinne hab' ich zwei Sprachen: Hochdeutsch und Plattdeutsch.2

In diesen Sätzen wird das Holländische vom Plattdeutschen abgehoben und vom Lernenden mit dem Englischen und Französischen gleichgesetzt. Die Bezeichnung als Dialekt enthält die Ansicht, dass die Sprache nur von einer Minderheit benutzt werde. Man konnte dafür auf die geringe Bevölkerungszahl des Landes verweisen. Seine Literatur könne nicht den Anspruch erheben, als vollwertig aufgefasst zu werden, und man wies ihr einen Platz im Bereich des mundartlichen Schrifttums zu, das nicht höheren Ansprüchen genüge und dem eine dörfliche Unbeholfenheit anhafte. In diesem Sinne haben sich immer wieder deutsche Autoren zu Wort gemeldet, und unter ihnen befanden sich die bedeutendsten. Herder legt den zu seiner Zeit strengsten Maßstab an, wenn er schreibt: ‘Man übersetze Homer in's Holländische, ohne ihn zu travestieren.’3 A.W. Schlegel, der wegen seines mehrjährigen Aufenthaltes in Amsterdam die Stelle eine einflussreichen niederländisch-deutschen Vermittlers hätte einnehmen können, gibt seine Abscheu in drastischen Worten zu erkennen. Die Sprache sei ihm so zuwider, dass ihm davor ekele, ein holländisches Buch auch nur in die Hand zu nehmen, und jedem Deutschen von Geschmack werde es ähnlich gehen. Er räumt aber ein, dass es mit viel Geduld gelingen werde, ‘selbst in diesem Misthaufen vielleicht Perlen zu finden.’4

Nicht immer war die Kenntnis des Niederländischen in Deutschland so gering und die Bewertung so abschätzig, wie es sich in diesen wenigen Zitaten und noch heute in vielen Äusserungen zeigt. Geht man weiter zurück, so findet man günstigere Urteile. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor Schlegel überschritt Albrecht von Haller die Grenze, um sich in Leiden medizinischen Studien zu widmen. Sein erster Eindruck von der Sprache ist durchaus kein negativer: ‘... die unbekannte Spraache ... ware mir neu und machte mich aufmerksam.’5 Im 17. Jahrhundert war sie in weite Kreise Deutschlands gedrungen. Das kirchliche Leben in den reformierten Gemeinden der Grenzgebiete war weitgehend vom Niederländischen bestimmt. Im Gottesdienst und in den Gesangbüchern hatte es die Muttersprache verdrängt. Der Handel mit den Hansestädten und den Kaufmannszentren im Reich hat zu seiner Verbreitung und zur Wirkung auf die berufsständigen Sprachen beigetragen.6 Im diplomatischen und gesellschaftlichen Verkehr behauptete das Niederländische einen Platz unter den Weltsprachen. ‘Ein richtiger Hofmann musste die lateinische als diplomatische Sprache verstehen, sodann italienisch und französisch. Sehr häufig kommt spanisch, respect. holländisch hinzu.’7 Ein Teil von Constantijn Huygens' offiziellem Briefwechsel mit deut-

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schen Fürstenhöfen ist holländisch geschrieben. Unter den Gelehrten liesse sich leicht eine stattliche Liste von Professoren und Dichtern zusammenstellen, die das Niederländische beherrschten. Als die Verleger Bonaventura und Abraham Elzevier 1636 mit dem Hamburger Lucas Holstenius, dem damaligen Bibliothekar der Vaticana in Rom, brieflich die Herausgabe eines Werkes erörterten, bedienten sie sich dabei wie selbstverständlich ihrer Muttersprache.8 Bei den Theologen gehörte sie zum Rüstzeug, wenn man den kirchlichen Kontroversen folgen oder an ihnen teilnehmen wollte. Der Bremer L. Crocius z.B. veröffentlichte eine dogmatische Streitschrift gegen Petrus Bertius, die er in der holländischen Muttersprache seines Gegners verfasste.9 Wen die ‘peregrinatio’ nicht in die Niederlande geführt hatte, der eignete sich die nötigen Kenntnisse im Selbststudium an. Von Bernegger ist überliefert, dass er mit grossem Eifer nicht nur die romanischen Sprachen lernte, sondern auch eine gründliche Kenntnis ‘der niederländischen Mundart’ erwarb.10 Als Daniel Georg Morhof auf der Universität Rostock war, widmete er sich neben dem Studium der Jurisprudenz auch dem der modernen Sprachen, in das er das Niederländische einbezog.11 Sein späteres Urteil über die Eigenständigkeit, dass es ein ‘Ausländer leichtlich vor ganz unterschiedene Sprachen halten könnte,’12 gründet sich also auf eigene Kenntnis. Durch besonders gute Fähigkeiten zeichneten sich natürlich jene Gelehrten aus, die in Leiden oder an einer anderen Hochschule der Staten studiert hatten. Dafür seien zwei Beispiele aus Buchners Schüler- und Freundeskreis genannt. Henricus von Frisen schrieb 1630 aus Leiden einen Brief an Huygens in fliessendem Holländisch.13 Die Korrespondenz zwischen Huygens und Fabricius wurde oft in dieser Sprache geführt. Im Jahr 1658, als Fabricius Syndikus der Stadt Danzig war, sandte er Huygens einige Dankeszeilen:

Eene maand of acht geleden heeft uw zoon mij de Monumenta desultoria en uw brief ter hand gesteld. Ik ben verrukt over uw boek. En met uw zoon heb ik met groot genoegen kennis gemaakt. Ook hoorde ik veel over u van de gezanten ...14

Es handelt sich um einfaches, aber korrektes Holländisch. Dass Fabricius zwei Jahrzehnte nach seinem Aufenthalt in den Niederlanden die Sprache noch so gut beherrschte, zeigt, wie gründlich er sie gelernt hatte oder dass er sich in Deutschland weiter mit ihr beschäftigte und in Danzig mit Holländern verkehrte.

Der direkteste Zugang zu einer fremden Literatur führt über die Kenntnis der Sprache. Sie gehörte zu den Forderungen, die an einen Übersetzer gestellt wurden: ‘Wer transferiren und verteutschen wil/ muß der jenigen Sprache/ die er zuübersetzen bemühet ist/ recht und gründlich kündig seyn ...’15 Die beinah vollständige Unbekanntheit der niederländischen Literatur im heutigen Deutschland lässt sich ebenso aus der dürftigen Kenntnis der Sprache erklären, wie sich aus der grossen Wirkung der niederländischen Literatur auf die deutsche des 17.

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Jahrhunderts auf eine gute Kenntnis der Sprache schliessen lässt. In die Opitz-Literatur hat sich allerdings seit Muth und Rubensohn die Gewohnheit eingeschlichen, den Finger immer wieder auf grobe Missverständnisse des holländischen Textes zu legen. Noch in jüngster Zeit entdeckte Schönle einen Übersetzungsfehler, mit dessen Hilfe er bei Opitz eine ‘mangelhafte Kenntnis des Niederländischen’ feststellt.16 Es handelt sich dabei in konkretisierter Form um die schon von Beckherrn vertretene These, in Deutschland sei damals kaum Holländisch gesprochen worden.17 Betrachtet man die am häufigsten genannten Irrtümer, so wird man sie nicht einer Unkenntnis zuschreiben können. Opitz übersetzt ‘hoop’ (= Hoffnung) mit ‘Haupt’, ‘herssen’ (= Verstand, Gehirn) mit ‘Hertzen’, ‘slijten’ (= verbringen) mit ‘schliessen’. Die Beispiele zeigen einen engen Anschluss an die Vorlage, und wenn man so will, dann stecken Opitz' Übersetzungen voller Fehler, aber sie haben meistens ihren Grund in der klanglich-metrischen Nachahmung der holländischen Vokabel. Opitz folgt häufig nicht dem Wortverstand, sondern der Wortgestalt. Dass dieses Verfahren zu völligen Sinnentstellungen führen kann, zeigt die Übersetzung des 14. Verses im ‘Lobgesang Jesu Christi’ über die Menschwerdung, wo ‘verworven/ Het menschelicke vlees’ mit ‘verworffen vnser Fleisch’ wiedergegeben wird. Aber dieses Versehen verbesserte Opitz selbst handschriftlich im Geschenk-exemplar für Bibran und in seiner eigenen Ausgabe der Teutschen Poemata.18 Wie gut er das Holländische beherrschte, erkennt man an der Prosaübersetzung der Vorrede ‘Innhalt vnd Nutz dieses Lobgesanges,’19 die wörtlich aus Heinsius entnommen wurde. Es besteht kein Anlass, an seiner Versicherung zu zweifeln, dass er der Sprache kundig war. In einem Brief bittet er Venator um die holländischen Gedichte aus dem Nachlass Gruters mit der Begründung: ‘cum linguae gnarus sim.’20

Die Äusserungen des 17. Jahrhunderts über das Holländische verbinden häufig mit dem Lob der Sprache den Preis der Leistungen, die von Dichtern und Theoretikern darin vollbracht wurden. Wenn Harsdörffer fordert, ein Poet müsse neben anderen Sprachen auch im Holländischen erfahren sein,21 dann hält er es geeignet für eine dichterische Verwendung. Es konnte sogar in Konkurrenz zur deutschen Muttersprache treten, wie aus Arnolds Kunst-Spiegel hervorgeht:

Billich aber heissen wir sie Hochteutsch/ wegen ihrer höchsten Liebligkeit/ denn ob schon die Niederländer recht artlich und wol reden/ so müssen sie doch uns Hochteutschen in dem Vortritt zu Rükke weichen ... wie vormals die Attische [Sprache] in Griechenland den Vorzug überkommen.22

In einem ähnlich einschränkenden Sinne äussert sich Schottel. Es ist aber bemerkenswert, dass er die Qualitäten der holländischen Dichtersprache betont:

... wie gnugsam aus dem Catzio und Heinsio/ Stevino und ande-
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ren vornehmen Niederländischen Authoren bekant/ die Holländische Mundart jhre fast liebliche bequeme Eigenschaft darzeiget/ so halten wir dennoch mit fuge dafür/ daß die rechte vollkommene untadelhafte Zier ... zuvoderst dem Hochteutschen verliehen.23

Der Duisburger Professor Heinrich Christian Henninius, der im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts in Utrecht den Doktorgrad erwarb und ein guter Kenner der Sprache war, lobt die Bemühungen des ganzen Volkes um die Kultivierung des eigenen Idioms. Ihnen sei es zu danken, dass die Gedichte weicher und lieblicher erschienen als die der Deutschen:

Germanismo secundus est ejusdem propago Belgismus: qui longe mollior est, et si verum fateri sine invidia liceat, majori industria a Gente ingeniosa excultus. Belgae enim omnia Germanismi duriora emolliverunt, et studiose cavent ferociores consonarum collisiones: unde et Belgarum Carmina (intellego praecipue Batavorum) longe suavioribus deliciis decurrunt, prae illis Germanorum.24

Die Achtung und Kenntnis der niederländischen Sprache in Deutschland erhielt sich so lange, wie die ‘Staten’ ihre kulturelle und wirtschaftliche Vormachtstellung bewahren konnten. Als der Glanz des ‘Gouden Eeuw’ verblasste, kam das Bedürfnis nach sprachlichen Hilfsmitteln auf. Der Nürnberger Matthias Cramer schrieb zu Anfang des 18. Jahrhunderts eine niederländische Grammatik und ein deutsch-niederländisches Wörterbuch. Als Ziel seiner Arbeiten nennt er: sie seien zum Gebrauch in ‘Staats- und Krieg- als in Kauf und Handelssachen’ bestimmt, denn

sehen wir nicht täglich vor Augen, wenn die Niederdeutschen, die nicht hochdeutsch, oder die Hochdeutschen, die nicht niederdeutsch können mit einander Briefe wechseln, oder mündlich reden, daß sie entweder einander nicht verstehen, oder Dolmetscher halten, oder aber, daß sie sich beyderseits mit dem Französischen, so gut als sie können, behelfen müssen.25

Aber nicht nur in diesen Bereichen, sondern auch in der Gelehrsamkeit trat das Niederländische in den Hintergrund. Bei einer Spezialarbeit über die Geschichte des Landes stand es dem Autor nicht zur Verfügung. Schiller bedauerte, dass er für die Darstellung über den Abfall der Niederlande ein so wichtiges Quellenwerk wie Hoofts Historien nicht im Original lesen konnte.26

Die bisher genannten Grade der Sprachbeherrschung reichen vom Lesen der Texte bis zum Verfassen eigener Briefe und Schriften. Eine weitere Steigerung bedeutet die Fähigkeit, in der fremden Sprache dichten zu können. Einen jeden Poeten erfüllte von Natur und von Jugend auf ‘eine hertzliche Lust zu frembden Sprachen.’27 Polyglott gab man sich überall. Vorworte werden mit lateinischen, Briefe mit griechischen Sätzen ausgeschmückt. Nirgendwo findet man eine buntere Vielfalt an Sprachen und Alphabeten als in den ‘alba amicorum’. Der Eintrag von

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Martin Ruarus in das von Petrus Scriverius hat folgende Reihenfolge: ein Spruch in arabischen Buchstaben, eine Übersetzung in griechischen und ein lateinischer Gruss. Heinsius schrieb sich in das Album von Vigelius mit lateinischen, hebräischen und griechischen Worten ein.28 Oft kommen moderne Fremdsprachen wie Italienisch oder Französisch hinzu. Das ist ein geselliges Spiel der Gelehrten untereinander: man verschlüsselt nur vordergründig, denn man weiss sich sofort verstanden. Das Interesse richtet sich weniger auf den Inhalt des Eintrags als auf die sprachliche Form. Ähnliche Motive gelten für die polyglotte Dichtung. Man schrieb lateinisch, übersetzte die eigenen Verse in die Muttersprache, die muttersprachliche Dichtung wird ins Lateinische übertragen, und man versuchte sich in den modernen Fremdsprachen. In die Anmerkungen zum Lobgesang auf Bacchus nahm Scriverius ein bis dahin ungedrucktes griechisches Gedicht von Heinsius auf, und er lässt gleich die lateinische und holländische Übersetzung des Autors folgen.29 Huygens verfasste Gedichte in sieben Sprachen, Epigramme zu Emblemata sind häufig zwei- oder dreisprachig. Die polyglotte Übersetzertätigkeit kann sich auch auf mehrere Autoren erstrecken: Opitz übersetzte Heinsius' Christus-Hymne ins Deutsche, Martin Nessel aus dem Deutschen ins Lateinische. Die Freude an fremden Sprachen ist zugleich eine Freude am eigenen Können. Sie dient aber auch der poetischen Übung, die der Dichtung in der Muttersprache zugute kommen soll.30

Fremdsprachige Dichtung entspringt häufig einem galanten Anlass, der die Sprache der Bewidmeten erfordert. Eine reichhaltige Produktion holländischer Verse an Utrechter und Amsterdamer Damen hat Zesen hervorgebracht. Er hielt sich so lange in den Niederlanden auf, dass er dort seine zweite Muttersprache fand. Einen ähnlichen Anlass haben die holländischen Gedichte, die Vincentius Fabricius auf der Rückfahrt von Holland nach Hamburg schrieb. Er schickte sie an Zacharias Lund, der sie in seinen deutschen Gedichtband aufnahm.31 In einem Begleitbrief erklärt Fabricius die Umstände der Entstehung. Er habe ‘ob varia navigationis incommoda’ nichts anderes tun können, als Verse zu schreiben, und das sei ihm umso leichter gefallen, als sie ihm ‘imaginem dulcissimi temporis’ vor Augen geführt hätten. Einige sind an die Töchter von Heinsius und Vossius gerichtet, und es handelt sich um Liebesklagen, wie sich aus der Abreise leicht erklären lässt. Mit Elisabeth Heinsius war Fabricius durch die zahlreichen Besuche bei ihrem Vater verbunden. ‘Filium fratrem mihi, filiam sororem esse iussit [Heinsius].’32 Sie hat eine ‘Elegia ... Fabricii nondum edita’ ins Holländische übersetzt,33 deren Handschrift sie vom Autor selbst erhalten haben wird. In der letzten Strophe will er seiner sonst besungenen Merilla entsagen, ‘om by Selia te seyn,’ die man mit Elisabeth identifizieren darf. Nicht alle niederländischen Gedichte hat Fabricius auf der Seereise geschrieben; das an Cornelia Vossius ist mit ‘Amstelodami’ unterzeichnet, und es zeigt, dass im Umkreis der Leidener und Amsterdamer Gelehrten der Austausch landessprachlicher Verse üblich war.

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Die Kenntnis des Holländischen erwarb sich Fabricius während eines dreijährigen Aufenthaltes in Leiden und Noordwijk. Die Gedichte zeigen eine Vielfalt an Vers- und Reimformen, und sie sind Zeugnis von Fabricius' intensiver Beschäftigung mit der zeitgenössischen Literatur in Holland. Unter den sechs Gedichten befinden sich paargereimte Alexandriner, trochäische und jambische Verse mit Kreuz- und umarmendem Reim. Die Alexandrinergedichte sind an Heinsius geschult, die anderen zeigen Anklänge an die Amsterdamer Lieddichtung. Zur Verdeutlichung soll hier ein Beispiel folgen:

 
Aen Me-ioffrous, Me-ioffrous Clara
 
Spexs ende Elisabetha Heinsia
 
Tvvee Godinnen, van myn leven,
 
Tvvee bewaersters van myn siel,
 
VVilt my desen vrydom geven,
 
Dat ik voor u nederkniel.
 
Laet op uvven altar komen
 
Giften van u slaven een,
 
Uyt een slechte kas genomen,
 
En noch minder als gemeen.
 
T'zyn de suchies die ik sonde
 
Daer de vveg naer Hollant gaet,
 
T'zyn de droppels van de vvonde,
 
De my Galatea slaet.34

Lund hat eines der Gedichte ins Deutsche übertragen, und ein Vergleich zeigt, wieviel Mühe es ihn kostete, die Leichtigkeit und Formbeherrschung der holländischen Vorlage zu erreichen.35 Fabricius war seiner Zeit ausschliesslich als neulateinischer Dichter bekannt, die vereinzelten Verse in den modernen Sprachen verdienen daher besondere Beachtung. Ausser den niederländischen enthält der Band von Lund ein deutsches, an August Buchner gerichtetes Gedicht. Es besteht aus 56 paargereimten Alexandrinern, die bis auf wenige metrische Verstösse vollkommen sind und nicht auf einen Autor schliessen lassen, der das Dichten in deutscher Sprache nur nebenbei betrieb.36 Die niederländischen Gedichte lassen sich nach ihrem Inhalt und dem Begleitbrief auf die erste Hälfte des Jahres 1634 datieren, das deutsche ist mit Sicherheit später, wahrscheinlich 1636, als Lund seine Gedichte veröffentlichte, entstanden. Diese Chronologie legt die Vermutung nahe, dass Fabricius die Fähigkeit, fliessende deutsche Verse zu schreiben, den vorangegangenen Übungen in der niederländischen Poeterei verdankt.

Die Bedeutung des Dichtens in der fremden Sprache lässt sich an einem weiteren Beispiel belegen. Die Gratulationsschrift zu Caspar Kirchners Hochzeit enthält ein makkaronisches Gedicht seines Studienfreundes Daniel Crombein, der das gemeinsame Leben in Leiden beschreibt. Witkowski hat es 1901 wieder abgedruckt unter der Überschrift ‘Ein unbekannter Vorläufer Martin Opitzens.’ Der Titel zeigt, in wel-

[p. 56]

che Richtung die begleitenden Bemerkungen gehen: man sehe wie leicht es gewesen sei, an Hand der niederländischen Vorgänger den richtigen Weg zu finden.37 In dem Gedicht stehen deutsche und holländische Verse nebeneinander, und das fordert zu einem Vergleich auf. Zwar bemerkt auch Witkowski, dass das Versgesetz einige Male verletzt worden ist, aber er sagt nichts zu den holländischen Versen. Obwohl der Text durch den Drucker orthographisch entstellt wurde, lässt sich soviel feststellen, dass in ihnen die neuen Regeln besser beachtet sind als in den deutschen:

 
... al die soo bijster draven
 
Naer Ryckdom en gewin, en acht ik niet dan slaven,
 
In vreden met het myn, ben'k rycker, dan die leefft,
 
Besitter van veel goets, en niet genoech en heeft.
 
Den ryckdom en licht niet in Landen ende Steden,
 
Maer die nit veel en heeft, en iß nochtans te vreden,
 
Trotst al dat wat er leeft, de kroonen en' gewelt,
 
De scepters en het goet iß onder hem gestelt.38

Die Hochzeit Kirchners fand ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Holland statt. Das Gedicht Crombeins ist das einzige der Gratulationsschrift, das nicht in lateinischer Sprache abgefasst ist. Aber weder für die deutschen, noch für die holländischen Verse wird eine Erklärung gegeben. Sie stellten für Kirchner also nichts Aussergewöhnliches dar. Es hat den Anschein, als wolle Crombein den Freund nicht nur inhaltlich, sondern auch in sprachlicher Hinsicht an die Leidener Studienzeit erinnern. Tatsächlich hat auch Kirchner holländische Gedichte verfasst. In einer an ihn gerichteten Widmungsvorrede von Opitz heisst es, er habe im ‘Niederländischen ... zu zeiten auch selber geschrieben.’39 Von den Gedichten ist nichts erhalten, man wird sie aber den deutschen im Anhang von 1624 voranstellen und deren Vollendetheit auch auf die vorhergehenden Versuche zurückführen dürfen. Das Dichten in holländischer Sprache scheint im deutschen Schülerkreis von Heinsius gebräuchlich gewesen zu sein. Man sollte angesichts der wenigen Beispiele bedenken, dass sie häufig für den Augenblick und als Übungen verfasst und daher nur selten gedruckt wurden. Für die Dichtung in der Muttersprache waren sie eine hilfreiche Schulung.40

Die holländische Sprache erforderte auch für den Deutschen im 17. Jahrhundert ein regelrechtes Studium. Schottel schreibt:

wenn ein Hochteutscher solte ein Holländisches Buch lesen/ im fall er der Oerter nie gewesen oder solche Teutsche Mundart nicht gelernet/ wird er schwärlich eine Ziel recht vernehmen können/ da es dennoch gar ohn Zweiffel/ daß es im Grunde fast einerley Wörter/ und eine einige Teutsche Sprache ist.41

Und Morhof hebt hervor, dass den Bewohnern der süddeutschen Regio-

[p. 57]

nen beim Erlernen des Holländischen besondere Schwierigkeiten erwachsen:

Würde man einen Schwaben in Niederland bringen/ es würde grosse Mühe kosten/ daß er des Landes Sprache ohne Anstoß in langer Zeit reden lernete.42

Der Weg, das Verständnis übers Plattdeutsche zu erreichen, stand nur wenigen offen. Johann Laurembergs Scherzgedichte wurden schon zwei Jahre nach dem Erscheinen von C.C. Dedekind ins Hochdeutsche übertragen.43 Und auch dem Kundigen stellten sich Hindernisse in den Weg, die den Gebrauch lexikalischer Hilfsmittel erforderlich machten. Gerade die Ähnlichkeit der beiden Sprachen barg Gefahren, die sich vor allem im Bedeutungsunterschied gleichlautender und stammverwandter Wörter zeigen. Zudem bildete sich im 17. Jahrhundert eine eigene holländische Schriftsprache, die sich zwar schwer als einheitlicher Stil beschreiben lässt, die sich aber deutlich von der Umgangssprache abhob. Die Orthographie war keineswegs festgelegt. Dialektbedingte Varianten und individuelle Rechtschreibung eines Autors erschwerten oft die Identifizierung einer Vokabel. Und die beiden Lobgesänge von Heinsius zum Beispiel enthalten an manchen Stellen einen so ausgefallenen Wortschatz, der weit über den von einem Ausländer beherrschten hinausgeht.

Da das erste deutsch-niederländische Wörterbuch erst im 18. Jahrhundert erschien, musste man nach anderem Rüstzeug suchen. Die Gesprächsbücher waren für das literarische Übersetzen von nur geringem Nutzen. Das weitverbreitete, in zahllosen Auflagen in allen Ländern Europas erschienene Werk Colloquia et Dictionariolum Septem Linguarum bestand aus drei Teilen, die Gesprächsvorbilder, Briefmuster und Redewendungen, ein Glossar und Anleitungen zur Aussprache enthielten. Die erklärte Absicht war es, bei ‘Coopmanschap’ und ‘reyse’ zu dienen.44 In Schottels Ausführlicher Arbeit findet sich ein Hinweis auf das Erlernen fremder Sprachen, der den richtigen Weg zeigt:

Es ist an dem/ daß bishero kein recht völliges Lexicon der Teutschen Sprache herauskommen/ darüber sich nicht unbillich auch die Ausländer beklagen/ die denn ja so wenig/ als die Teutschen selbst/ im Fall sie die Teutschen Wörter recht verstehen/ oder die teutsche Sprache gründlich lernen wollen/ einig ander Hülfmittel haben/ als etwa ein Lateinisches oder Frantzösisches Lexicon aufzuschlagen/ und daselbst das Teutsche aufzusuchen.45

Wenn die Ausländer zur Erlernung des Deutschen lateinische unf französische Lexika gebrauchten, dann werden die Deutschen beim Studium und Nachschlagen in der holländischen Sprache einen ähnlichen Weg beschritten haben. Von beschränktem Nutzen dafür, aber wegen seiner grossen Verbreitung erwähnenswert, ist der Nomenclator omnium rerum des Haarlemer Gelehrten Hadrianus Junius. Er erschien 1567 in Antwerpen, erlebte in der Folgezeit eine Fülle von Auflagen in Holland und

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Deutschland und wurde in beiden Ländern in einer bearbeiteten Version im Schulunterricht eingeführt.46 Der Nomenclator ist nach Sachgruppen aufgebaut. Dem Stichwort folgt eine lateinische Umschreibung, dann die Übersetzungen ins Griechische, Deutsche, Niederländische, Französische, Italienische und Spanische. Er wäre aber nur dann ein praktikabeles Hilfsmittel für Studierende und Übersetzer gewesen, wenn er ein Register der holländischen Vokabeln enthalten hätte. Im Jahr 1537 erschien in Strassburg in dritter Auflage ein Dictionarium Latinogermanicum, et vice versa Germanicolatinum des Schulmeisters Petrus Dasypodius, das am Anfang einer neuen Periode der Lexicographie steht.47 Das Werk erlebte im 16. und 17. Jahrhundert weit über 30 Ausgaben - darunter solche mit einer Auflage von 3000 Exemplaren -, die ihm in Deutschland eine Vormachtstellung bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts sicherten. Antonius Schorus veröffentlichte 1542 in Antwerpen eine niederländische Bearbeitung, von der allerdings nur eine Ausgabe bekannt ist. Er hat aber Nachfolger gefunden, und aus dem 16. Jahrhundert sind zusammen acht Ausgaben des niederländisch-lateinischen und lateinisch-niederländischen Wörterbuches nachgewiesen. Verdeyens Untersuchung hat ergeben, dass es getreu dem Aufbau von Dasypodius folgt und dass die holländischen Übersetzungen sich eng ans Deutsche anschliessen. Die beiden Werke eigneten sich also nach Anlage und Verbreitung zum Zweck der Übersetzung. Man konnte für das unbekannte holländische Wort bei Schorus die lateinische und bei Dasypodius dann die deutsche Entsprechung aufsuchen. Das Verfahren hat zwar gegenüber dem Nomenclator gewisse Vorteile, aber es ist immer noch allzu umständlich. Geeigneter war Stevins weithin bekannte Zusammenstellung der einsilbigen Wörter.48 Sie verfolgte zwar einen sprachpatriotischen Zweck, konnte aber dennoch hilfreich bei einer Übersetzung sein. Stevin geht vom holländischen Wort aus und nennt die französischen und lateinischen Entsprechungen. Das Dogma der Einsilbigkeit führt natürlich zu Beschränkungen, aber immerhin verzeichnet Stevin noch weit über 2000 Wörter.

Den Ansprüchen einer holländisch-deutschen Übersetzung genügten am besten zwei Werke, die bei Christopher Plantijn in Antwerpen erschienen. Im Jahr 1573 wurde der Thesaurus Theutonicae Linguae. Schat der Nederduytscher spraken ... veröffentlicht, der dem ausführlichen Titel zufolge nicht nur ‘de Nederduytsche woorden/ maar ook verscheyden redenen en manieren van spreken’ mit den Übersetzungen ins Französische und Lateinische enthielt.49 Zur Verdeutlichung seien hier zwei Beispiele angeführt. Der niederländische Text ist in gotischen, der französische in romanischen Buchstaben und der lateinische kursiv gedruckt:

Ick en achtes niet. Je n'en tien compte. Nihilopendo, huius non facio, floccifacio.
Penninck. Un denier, toute sorte de monnoye. Nummus, denarius, numisma.
[p. 59]

Im Vorwort berichtet Plantijn über die Entstehung des Werkes. Er selbst habe die Vorarbeit geleistet und dann vier seiner Mitarbeiter mit der Weiterführung beauftragt. Das Ergebnis ist der erste Versuch, den niederländischen Wortschatz so vollständig wie möglich zu erfassen.50 Einer der Autoren des Thesaurus, Plantijns Korrektor C. Kiliaan, verfasste ein Dictionarium Teutonico-Latinum (1574), das später unter dem Titel Etymologicum Teutonicae Linguae: sive Dictionarium Teutonico-Latinum berühmt wurde.51 Es geht ebenfalls von der holländischen Vokabel aus und gibt die lateinische und manchmal anderssprachige Übersetzungen. Der Zweck des Wörterbuches war es, wie Kiliaan im Vorwort schreibt, bei der Erlernung beider Sprachen behilflich zu sein. Ihrem Aufbau nach haben der Thesaurus und das Etymologicum in Zusammenhang der niederländisch-deutschen Übersetzungen eiae besondere Bedeutung, die dadurch bestätigt wird, dass sie auf der Frankfurter Buchmesse verkauft wurden. Es ist dafür kein anderer Grund als der der Übersetzung ersichtlich. In Draudius' Verzeichnis ‘Bibliotheca Exotica’ finden sie sich unter der Rubrik ‘Philosophische Bücher/ und von allerhand Künsten.’52

C. Die deutschen Übersetzungen aus den ‘Nederduytschen Poemata’ von Daniel Heinsius

a. Allgemeine Vorbemerkungen

Die Bedeutung, die Heinsius für die Dichter des Frühbarock hatte, lässt sich an der Fülle der deutschen Übersetzungen aus den Nederduytschen Poemata ablesen. Bei der Feststellung eines gesicherten Bestandes ergeben sich jedoch Schwierigkeiten, da die Grenzen zwischen wörtlicher Übersetzung, Paraphrasierung und freier Nachahmung oft schwer zu ziehen sind. Zu den Übersetzungen werden hier nur solche Gedichte und Gedichtpassagen gezählt, die einen gewissen Umfang haben und die die Vorlage von Heinsius noch deutlich erkennen lassen. Damit scheiden die Übernahmen einzelner Verse und Wendungen - wie sie sich bei allen Dichtern dieses Zeitraumes finden - aus und auch solche Gedichte, in denen trotz einer deutlichen Abhängigkeit die Aussage von Heinsius stark verändert oder parodiert wird. Hier handelt es sich weniger um Übersetzungen als um Auseinandersetzungen.

Die meisten Übertragungen enthalten die Teutschen Poemata von Opitz, wie aus den Quellenarbeiten von Weevers und Gellinek und der Ausgabe Witkowskis bekannt ist. Opitz berücksichtigt thematisch die ganze Breite der Nederduytschen Poemata : Liebes- und Gelegenheitsdichtung, geistliche und weltliche Hymnik, und er macht sich auch einige Stellen aus der patriotischen und biographischen Dichtung zu eigen. Andere Autoren trafen eine einseitigere Auswahl. Fleming und Homburg übersetzten jeweils fünf Gedichte der petrarkistischen Liebeslyrik, bei Kirchner, Köler, Lund und Plavius steht die Gelegenheitsdichtung im

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Vordergrund. Zwar finden sich auch hier petrarkistische Übersetzungen, aber sie werden oft auf die Hochzeitsdichtung übertragen. In den Bänden von Michael Schneider und Sibylle Schwarz finden sich neben Übersetzungen der Liebeslyrik auch Beispiele aus Heinsius' Spiegel Vande Doorluchtige Vrouwen .1 Damit ist der tatsächliche Bestand nur zum Teil erfasst. Es haben weitere Übersetzungen in Handschriften und Einzeldrucken bestanden, die aber nur durch glückliche Zufälle entdeckt werden können. So hat z.B. ein Anonymus Heinsius' ‘Elegie, ofte Nacht-klachte’ schon 1614 vor dem Erscheinen der Nederduytschen Poemata übersetzt und auf 5 Blättern selbständig veröffentlicht.1a Von Opitz scheint es noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts ungedruckte Übersetzungen gegeben zu haben. In der umständlichen Nachricht von ... Martin Opitz berichtet Lindner, Opitz habe ‘unterschiedene kurze und lange Gedichte von diesem Heinsio übersetzt, davon ich ein paar gesehen habe, welche in den Sammlungen seiner Ged[ichte] nicht stehen.’2 Es ist möglich, dass sich diese Übersetzungen im Besitze von Georg Christian Gebauer befanden, einem gebürtigen Breslauer, der in Göttingen die Jurisprudenz lehrte und der eine grosse Sammlung von Opitz-Drucken und Handschriften besass. Sie war Lindner zugänglich, und er pries sie als die umfangreichste seiner Zeit. Rubensohn kündigte 1899 an, er werde ‘eine handschriftlich erhaltene deutsche Übersetzung Nikolaus Rittershausens’ eines Hochzeitsgedichtes von Heinsius veröffentlichen, aber er hat diese Absicht nicht ausgeführt.3 Es muss weiterhin angenommen werden, dass Übersetzungen Heinsiusscher Gedichte in die grosse Anzahl zum Teil verschollener Gelegenheitsschriften aufgenommen wurden. Rist empört sich über einen anonymen ‘Reimemacher’, der Heinsius' ‘Aen de Ionckvrouwen van Hollandt’ in unzulänglicher und fehlerhafter Übersetzung als Epithalamium drucken liess, obwohl Opitz dasselbe Gedicht schon längst übersetzt hatte.4 Eine annähernd vollständige Liste der Übersetzungen wird sich nicht aufstellen lassen, da die Überlieferung mangelhaft ist. Aber auch ohne die verschollenen Texte zeigt sich, dass Heinsius zu den am meisten übersetzten Autoren des frühen 17. Jahrhunderts gehört. Der überwiegende Teil der Nederduytschen Poemata lag in deutscher Sprache vor, und es wird sich mit geringen Ausnahmen kaum ein bedeutender Dichter des Frühbarock finden, der sich nicht an ihnen versucht hätte.

Der Grund dafür ist nicht allein in den Gattungen zu suchen oder in der Thematik, sondern auch in der Verwandtschaft der Sprachen. Die Übersetzung kann sich eng an die Vorlage anschliessen, häufig den Satzbau übernehmen und ihr Wort für Wort folgen. Die weitgehende Übereinstimmung ist mitverantwortlich dafür, das man bisher nur die Gemeinsamkeiten sah und eine genauere Prüfung der Übersetzungen von Opitz nicht unternommen hat.5 Ein solches Unternehmen verspricht umso erfolgreicher zu sein, je stärker sich die zu vergleichenden Glieder unterscheiden, je mehr ein jedes eigene Konturen aufweist. Hier muss von denkbar ungünstigen Bedingungen ausgegangen werden. Die Übersetzun-

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gen sind nur wenige Jahre später als ihre Vorlagen und aus demselben Geist heraus entstanden, beide weisen ähnliche Merkmale auf, und die Gleichheit der Sprachen ist dazu geeignet, etwaige Ansatzpunkte zu verdecken. Die Schwierigkeiten werden durch das Streben nach Wörtlichkeit vermehrt. Die Problematik der Übersetzung stellt sich auch als ein Quantitätsproblem dar. Grundsätzlich fällt sie umfangreicher aus als das Original.6 An dem Mass der Diskrepanz lässt sich der Grad der Umgestaltung erkennen. Wie sehr Opitz an der Wörtlichkeit gelegen war, zeigt die peinliche, bis auf den Vers genaue Einhaltung des Umfangs der beiden Lobgesänge. Das bürgt bei der Beurteilung von Änderungen dafür, dass diese nicht in der Willkür des Übersetzers, sondern in seiner Kunstauffassung begründet sind. Bei unverwandten Sprachen, dem Deutschen und Lateinischen etwa, deren Syntax und Ausdrucksmittel verschieden sind, muss die Analyse das Detail verlassen, um aus einer Gesamtbetrachtung Erkenntnisse zu gewinnen. Bei so ähnlichen Sprachen wie dem Deutschen und dem Niederländischen muss man gerade auf das Detail sehen,7 und dann erschliessen sich dem genauen Lesen Änderungen, die im Folgenden systematisch erfasst werden sollen.

Die umfassende Gleichheit wird durch die jeweiligen Stilvorstellungen von Autor und Übersetzer teilweise eingeschränkt. In den Alexandrinergedichten von Heinsius dominiert die ‘harmonia austera’ oder, allgemeiner ausgedrückt, das ‘blockhafte Sprechen’. Zur Verdeutlichung ein Textbeispiel aus dem ‘Lof-Sanck van Iesus Christus’:

 
Naer dat den schoonen hof van Eden was gesloten,
 
Met allerhande vreugt en lusten overgoten,
 
Dat Adam met zijn vrou door haer moetwilligheyt
 
Het liefelick prieel van Oosten was ontseyt,
 
Heeft hy, van God verjaecht, den segen moeten derven,
 
Begonnen quaet te doen, begonnen quaet te erven,
 
Een vyant van het goet, besoetelt, ongesont,
 
Verandert en vervalst, bedorven inde gront.
 
De doot wort in den mens en met den mens geboren,
 
Verlaten van hem self, en van hem self verloren:
 
Door Adam sonder God: door Adam en zijn zaet,
 
Met Adam en door hem, gestelt in Adams staet.
 
Noch was de groote God soo vol bermertigheden,
 
Dat Adam niet soo haest de wet hadd' overtreden,
 
Of heeft hem op de plaets, alwaer hy was verleyt,
 
Een vaste medecijn en hulpe toegeseyt.
 
Als dat hy niet en sou in eeuwigheyt verdreven,
 
Gebannen en verjaecht met zijn geslachte leven:
 
Maer dat des vrouwen saet, sijnd' eenmael opgestaen,
 
Den vyant met gewelt sou breken en verslaen;
 
Vermorselen den kop, verteeren en vernielen,
 
Den vader van de doot, den moorder van de sielen.
[p. 62]
 
Dit heeft altijt gestaen als eenen grooten schat
 
In Godes sin bewaert, besloten, en vervat,
 
Geteyckent, vast gemaeckt, beset aen alle kanten,
 
Gesegelt, toegedaen, met seven diamanten,
 
Gegeven God den Soon: geleyt in zijnen schoot,
 
Als sleutel van der Hel, als middel voor de doot.8

Der Abschnitt enthält drei Teile. Der erste behandelt die Verstossung Adams und Evas, der zweite stellt den Tod und seine Vererbung als Folge der Sünde dar, um dann wie in der Bibel Gottes Barmherzigkeit zu schildern. Eine solch klare Gliederung durchzieht den ganzen Lobgesang und trotzdem ist er nicht leicht verständlich. Sein Stil ist gekennzeichnet durch asyndetische Fügungen und Wiederholungen, durch die scharfe Trennung des Alexandriners und den zahlreichen Gebrauch von Partizipien und Appositionen, die Ersparung gemeinsamer Glieder und durch den Bruch der regulären Satzstellung. Es ist ein Stil von syntaktischer Ökonomie und Konzentration, aber von rhetorischer Aufschwellung. Zeitliche und modale Abstufungen werden nur sparsam verwendet. Inhaltlich bewegt er sich zwischen zwei Extremen: als ‘insistierende Nennung’ (Conrady) verweilt er bei einem Gegenstand, bei der Schilderung eines Geschehens lässt er die Ereignisse in rascher Reihe einander folgen. Dieser Stil schafft logische Spannungen und strapaziert die Aufnahmefähigkeit des Lesers.9 Bei der Übertragung der beiden Lobgesänge setzte sich Opitz zum erstenmal intensiv mit ihm auseinander. Ein grosser Teil seiner Änderungen lässt sich als der Versuch deuten, das blockhafte Sprechen aufzuheben. Keine Erscheinung wird man ausschliesslich konstatieren können. Für die angeführten Beispiele lassen sich manchmal auch Gegenbeispiele finden. Die Achtung vor dem Original verbietet oft Umformungen, und der praktische Vorteil des leichten Übersetzens hat häufig den Vorrang vor den eigenen künstlerischen Anschauungen. Daher ist schon eine relativ geringe Anzahl von Änderungen aussagekräftig. Was festgestellt werden kann, das sind nicht streng befolgte Regeln, sondern Tendenzen der Übersetzung. Aus der Zahl der Belege wird jeweils nur eine Auswahl der besonders deutlichen angeführt.10

b. Die Übersetzungen von Martin Opitz.

Die einfachste Art des blockhaften Sprechens ist die asyndetische Wortreihung. Opitz übernimmt sie zwar oft in seine Übersetzungen, an einigen Beispielen aber lässt sich zeigen, dass er bemüht ist, sie aufzuheben und den Vers geschmeidiger zu machen. Dabei gibt es in der Hauptsache zwei Wege: die Zwischenschaltung eines einfachen und:

 

LB 511

 
Maer Evan heeft hem self, zijn dochter, zijnen hont
 
Doch, Evan, es ward jhm, der Tochter, vnd dem Hund'

oder die Verwendung des Bindewortes und einer Präposition:

[p. 63]

LJ 570f.

 
Het aerderijk, de zee, tien hondert duysent paeren/
 
Van engelen ...
 
Das erdtreich vnd die see mit hundert tausendt paren/
 
Der Engel ...

Die asyndetische Satzreihung wird durch die Struktur des Alexandriners begünstigt, der mit seinen beiden Hälften dazu einlädt. Sie kann die Grenzen des Langverses sprengen und über mehrere Halbverse fortlaufen. An zahlreichen Fällen erkennt man, dass Opitz versucht, die Blöcke miteinander zu verbinden und Übergänge zu schaffen:

 

LB 196

 
Ist met de min gedaen, tijt Venus op de vlucht
 
Ists mit dem lieben nichts, vnd Venus giebt die flucht

LJ 784

 
Deelachtig van uw' vreugt, gevoelen uwe smert
 
Theilhafftig deiner frewd'/ vnd fühlet deinen schmertz

Der blockartige Charakter tritt umso mehr hervor, je stärker der Alexandriner geteilt ist. Heinsius bedient sich verschiedener Mittel, die Schärfe der Zäsur herauszuarbeiten: beide Halbverse beginnen mit demselben Wort, wobei die jeweils erste Hebung auf dasselbe Wort fällt. Häufig ist es so, dass die Halbverse dieselben syntaktischen Elemente enthalten und sogar parallel gebaut sind: Verb + Objekt/ Verb + Objekt; Subjekt + Objekt/ Subjekt + Objekt etc. Der Alexandriner besteht also aus einer symmetrischen Viergliedrigkeit, die auch dann nicht wesentlich geändert wird, wenn die Parallelität leicht variiert wurde und die Reihenfolge von Subjekt und Verb in beiden Halbversen nicht dieselbe ist. Metrisch wird dieser Bau dadurch unterstützt, dass die vier Glieder sich auf die jeweils ersten und letzten Hebungen einer jeden Halbzeile verteilen: xẋxxxẋ/xẋxxxẋ(x). Der Leser kann den Alexandriner nur schwer als eine Einheit erfassen, er muss bei jedem Halbvers neu einsetzen. In solchen Fällen ist die Verbindung der Blöcke mit ‘und’ nicht mehr ausreichend. Opitz überbrückt die Trennung, indem er eines der vier Glieder - meist ein verbales - auslässt und die nominalen zu einem doppelgliedrigen Ausdruck verbindet. Die starre Symmetrie wird damit aufgehoben und der Vers als Ganzes leichter durchschaubar:

 

LB 152

 
V stillen met zijn doot, versoenen met zijn bloet
 
Daß du gestillet wirst durch seinen Tod vnd Blut

LB 352

 
Lach haren rock in't sant; de borstlap lach daer by
 
Lag jhr zudrückter Rock vnd Brusttuch in dem Sand

LJ 222

 
Zy vieren haren lust, aenbidden haer gebreken
 
Sie feyren jhre sünd' vnd eigene gebrechen

LB 4f.

 
ô Vader van de vreucht/ ô vinder van de wijn
 
o Vater aller frewdt,/ Vnd auch deß süssen Weins

LB 559

 
Die meesters van de doot, en meesters van den tijt
 
Die ware Meister sind des Todes vnd der Zeit

LJ 675f.

 
Die Sidrach met de zijn' int midden van de vlam,
 
Int midden van het vier, met krachten daer uyt nam
[p. 64]
 
Der Sidrach vnd mit jhm die andern auß der flamm'
 
Vnd grossen fewergluet mit gantzen kräfften nam.

In diesem Zusammenhang sei vorläufig auf die Wiederholung von Satzteilen hingewiesen, die unten mit einem Beispiel anaphorischer Reihung ausführlich besprochen werden wird. Heinsius verwendet sie sparsam, aber die Behandlung der wenigen Beispiele durch Opitz lässt Charakteristisches erkennen. Bei der Beschreibung der Eigenschaften und Attribute von Bacchus finden sich im holländischen Text die Verse:

 

LB 101ff.

 
Dat selve komt u toe, ô beyde soon en swager
 
Des grooten Iupiters, ô grooten hoorendrager,
 
Dat selve komt u toe; een nieu-gebout autaer
 
In't midden van uw' kerck, van hoorens groot en swaer
 
Dat selve komt u toe ...

Opitzens Übersetzung lautet:

 
Vnd das gehöret dir, o beide Sohn vnd Schwager
 
Deß grossen Jupiters, o grosser Hörnertrager,
 
Vnd das gehöret dir, ein new-gebawt altar
 
In deiner Kirch' vmbschrenckt mit hörnern gantz vnd gar:
 
Nun das gehöret dir.

Opitz versucht, die Härte der dreimaligen Wiederholung abzuschwächen, indem er vor die ersten beiden Glieder ein ‘und’ setzt und das letzte mit einem abschliessenden ‘nun’ einleitet.

Die angeführten Beispiele zeigen, wie sehr Opitz darum bemüht ist, eine leichtere Überschaubarkeit des Verses und damit eine bessere Verständlichkeit zu erreichen. Die Verbindung der Blöcke durch ‘und’ bedeutet oft lediglich eine Milderung und keine Aufhebung des strengen Baus. Das Streben nach logischer Gliederung kommt vielmehr in einem vermehrten Gebrauch der Hypotaxe zum Ausdruck. Sie hat gegenüber der Nebenordnung den Vorzug der Straffung und der grösseren gedanklichen Bestimmtheit. Opitz fügt wenig Subjekt- und Objektsätze hinzu. In der Regel sind es Relativsätze, die auf ein nominales Glied des übergeordneten Satzes bezogen sind und es näher bestimmen, und Final- und Konsekutivsätze, die Folge und Absicht einer Handlung angeben und die von seiner Vorliebe zeugen, zwischen Haupt- und Nebensatz einen kausalen Zusammenhang herzustellen:

 

LB 38

 
Om dat ghy scherpt de tong, doet vloeyen onse reden
 
Weil du die zunge schärffst daß vnsre reden fliessen

LB 355f.

 
... en met een wijngaert blat
 
... wiesch af het droeve nat
 
... vnd nahm ein Rebenblatt,
 
Das Wasser weg zuethun ...

Ein weiterer Anlass zur Bildung von Nebensätzen sind die Partizipien.

[p. 65]

Als infinite Form stehen sie zwischen Verb und Nomen und müssen nach ihrer Funktion befragt werden. Wenn in den Grammatiken der Zeit von den Partizipien die Rede ist, dann vor allem in formaler Hinsicht. Es werden lediglich die Bildungs- und Flexionsweisen behandelt, von der sprachlichen Leistung aber erfährt man nichts.11 Erst Schottel hat sie erkannt und die grammatische und gedankliche Ambivalenz dieser Form erörtert:

Das Mittelwort (Participium) ist/ welches vom Zeitworte entspringet/ bedeutet zwar eine Zeit/ dennoch aber behält es die Eigenschaft und Abwandelung des Nennwortes; und darum heisset es Mittelwort.12

Und an einer anderen Stelle der Ausführlichen Arbeit heisst es:

So haben die Mittelwörter in Teutscher Sprache einen grossen Nutzen/ zieren wol die Rede und befoderen durch wollautende Kürtze den Verstand.13

Wegen der ‘Kürtze’ eignen sich die Partizipien für das blockhafte Sprechen, und Heinsius gebraucht sie reichlich. Allgemein lässt sich feststellen, dass Opitz die ‘Participia Praeteriti’ häufig, die ‘Participia Praesentis’ hingegen nur in wenigen Fällen übernimmt. Unproblematisch ist bei beiden die attributive Verwendung.

Als Verbalform bezeichnet das Praesens-Partizip einen Vorgang, der mit dem des ‘verbum finitum’ gleichzeitig verläuft. In einigen Fällen ist es nur eine nähere Bestimmung und daher für den Kontext entbehrlich. Opitz kann es bei der Übersetzung fortlassen, ohne ihn zu zerstören:

 

LB 407f.

 
... hy riep in sulcker voech
 
Al sittend' op de beest, dat Iupiter self loech
 
... Er schrey so grausam wild,
 
Daß Jupiter sich selbst deß lachens nicht enthielt

Ionck.87

 
Hem keerde drymaels om al lachend', ende sprack
 
Sich drymahl vmbgekehrt vnd zu sich selbst geredt

Oder aber er hebt das Nebeneinander der beiden Handlungen auf, indem er die durch das Partizip ausgedrückte ihrer Bewegung beraubt und in einen adverbialen Ausdruck presst:

 

LB 197f.

 
... want sonder uwe gaven
 
Al levend' sijn wy doot, al levende begraven
 
... wir seind ohn deine gaben
 
Schon vor dem Tode Todt, vnd lebendig begraben

In der überwiegenden Anzahl der Fälle wird das Partizip in den syntaktischen Zusammenhang eingeordnet. Es wird entweder mit ‘und’ an einen Hauptsatz angehängt, in einen Relativ- oder Temporalsatz ausgebreitet. In jedem Fall ist das Ergebnis ein Verlust an syntaktischer Prägnanz und sprachlicher Dichte: