Taal en Letteren. Jaargang 10


auteur: [tijdschrift] Taal en Letteren


bron: Taal en Letteren. Jaargang 10. Haagsche Boekhandel- en Uitgeversmaatschappij, Den Haag 1900


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Veeltalige vorming van 't kind - wenselik?

(Uit: Georg von Bunsen, von seiner Tochter Marie van Bunsen. 1900. -)

Es war das Schicksal der Bunsen'schen Kinder, immer in mehreren Sprachen zu verkehren. Aussenstehende halten dieses fast regelmässig für ein unbeschreibliches Glück, die Betroffenen erkennen erst später, wie nachteilig gleichberechtigte Sprachen wirken, wie nachteilig es ist, wenn nicht einer Sprache fraglos das Übergewicht zukommt.

(p. 5/6.)

 

Einige seiner Briefe an die Eltern sind aus dieser Zeit aufbewahrt worden....., die Sprache ist deutsch, englisch, französisch oder lateinisch und keine ist richtig.

(p. 10.)

 

Der Lehrer übersah den unausbleiblichen Nachteil einer vielsprachigen Familie. Die feinen Stilkritiker der Goncourt'schen Tafelrunde wussten es besser: ‘on causait style et l'on parlait de l'impuissance de bien écrire chez les gens qui parlent plusieures langues. Les mots deviennent des dénominations vagues.’ (Journal des de Goncourts, V. p. 263.)

[p. 456]

Auch die Rahel bemerkt: ‘Sprache ist nicht wie ein Kleid des Gedankens, sondern wie dessen lebendige aus ihm erwachsene Behauptung’ und man hat eben viele und verschiedenartige Kleider, aber nur eine Haut. Schiller las Shakespeare aus Prinzip fast nur in der deutschen Übersetzung, denn, so sagte er: ‘Meine Lebensarbeit ist deutsch zu schreiben, und ich bin der Überzeugung, dass Niemand viel fremde Sprachen lesen kann ohne den Tact für die feinen Abstufungen der eigenen, ein wesentliches Erforderniss für einen guten Stil, einzubüssen.’ Fast ausnahmslos hatten die zehn Bunsen'schen Kinder das väterliche Sprachtalent geerbt, nicht eins derselben sprach irgend eine Sprache so instinktiv, unfehlbar richtig wie jeder gebildete Durchschnittsmensch es in seiner eigenen und einzigen Sprache vermag. Dies schliesst natürlich nicht aus, dass die Bunsens mehrere Sprachen hervorragend beherrschten...... Auch schrieb mein Vater später nicht nur kein schlechtes, sondern sogar ein ungewöhnlich gutes Deutsch; wer aber genau aufpasste, entdeckte hier und da eine etwas fremdländische Wendung, besonders beim Sprechen, eine mangelnde Treffsicherheit des üblichsten Wortes des gewöhnlichsten Verkehrs. Als öffentlicher Redner hat er später die Schattenseiten der Vielsprachigkeit lebhaft empfunden; zu oft kamen ihm beim Reden seine Gedanken am Genauesten bezeichnende englische, französische oder italienische Worte, die dann im Gehirn in der Eile übertragen werden mussten.

(p. 35/6.)