Tijdschrift voor Nederlandse Taal- en Letterkunde. Jaargang 33


auteur: [tijdschrift] Tijdschrift voor Nederlandse Taal en Letterkunde


bron: Tijdschrift voor Nederlandse Taal- en Letterkunde. Jaargang 33. E.J. Brill, Leiden 1914  


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DBNL vignet


 i.s.m. 
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Mittelniederl. labaye.

In dem Glossarium von Stallaert findet man (II, 128 f.) folgende Wörter verzeichnet: 1) Labay = ‘Benaming eener meelsoort, waars. van de beste, de fijnste, bloem van meel’ hierzu die Zusammensetzung labaijbroot = ‘Wittebrood, fijn tarwe brood, dial. kramik, koekebrood’. 2) Labaye = ‘een zilveren munt geslagen onder Wenzeslas en Joanna’ (bei Kil. = ‘dipondius, nummus epularis’). 3) Labaye, das ‘feestmaal, drinkgelag’ (Kil.: vetus fland. Epulum) bedeutet. Neben den Substantiven kommt auch ein Verbum labayen vor, so bei Kil. labbayen (vetus) ‘epulari et parasitari’ und De Bo, Westvl. Idioticon, labaaien ‘banken, tafelen’.

In dem Middelnederl. Woordenb. finden sich dieselben Bedeutungen wiederholt (nur ist die Ordnung eine andere, indem dort von der Bedeutung ‘Münze’ ausgegangen wird), daneben wird aber dort der Versuch gemacht, eine Erklärung des Wortes zu geben, die ich mir gestatte, hier in ihren Hauptzügen anzuführen. ‘De oorspronkelijke beteekenis van het woord is vermoedelijk drinkpenning. Zoo is althans te verklaren de term van Kil. ‘nummus epularis’. De benaming is te vergelijken met braspenninc, waarin brassen althans opgevat is in de bet. drinken.... Labay(e) is wellicht eene verkorting van labaypenninc, en zal zijn de stam van het ww. labayen, dat in de verschillende vlaamsche dialecten is bekend geweest in de beteekenis drinken, slempen, brassen, maaltijd houden.... Van dit ww. komt ook labaye in eene andere beteekenis dan de boven genoemde, nl. feestmaal, drinkgelag, slemppartij.... Ook in verschillende samenstellingen komt labayen of het znw. labaye voor, b.v. in de bij Kil. vermelde woorden labbaeymaerte, het verklw. labbaeymaertken (‘ancilla scoparia, mediastina, werkster, schoonmaakster’, misschien eig.

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helpster bij het gereedmaken van een maaltijd), en labbaeybrood, brood dat bij een maaltijd gebruikt wordt, wittebrood, fijn brood. Zie ... Belg. Mus. I, 319, waar gewezen wordt op de moeglijkheid, dat het woord ook kan afkomen van labay, het geldstuk.... Eene derde mogelijkheid is, dat het woord afgeleid is van labay, bij Stallaert vermeld als benaming eener meelsoort, waarsch, van de beste, de fijnste bloem van meel. Deze beteekenis is voortgevloeid uit die van maaltijd.... Labbayen is eene afleiding van germ. labben, dat in allerlei germ. dialecten voorkomt.’

So weit das Middelnederl. Woordenb. Die Erklärung ist, wie man sieht, in vorsichtiger und wenig kategorischer Form gegeben mit Hervorheben verschiedener Möglichkeiten. Trotz der Vorsichtigkeit der Ausdrücke leidet sie jedoch an verschiedenen Mängeln, von denen ich besonders den Ausgangspunkt ins Auge fassen will. Erstens hat es, soweit mir bekannt ist, nie ein Wort labaypenninc gegeben, und zweitens würde (vorausgesetzt, dass ein solches Wort wirklich einmal vorhanden gewesen wäre, ohne in handschriftlichen oder gedruckten Quellen überliefert zu werden) dies, anbetrachts des Vorhandenseins der Form labaye im Sinne von ‘Festgelage’, schwerlich dieselbe Form im Sinne von ‘Trinkgeld’ haben erhalten können. Weiter hat man vollständig das Schluss-e der Form labaye übersehen, das doch wohl ursprünglich sein muss. Schliesslich wäre bei einer Verkürzung aus labaypenninc das weibliche Geschlecht, das dem Wort zukommt oder wenigstens zukommen kann (s. De Bo), auffallend.

Nach diesen Erwägungen wird wohl jedermann mit mir darin übereinstimmen, das die Etymologie und Entwicklung des Wortes eine andere sein muss. Der Ursprung des Wortes ist m.E. von Anfang an nicht in labben zu suchen (dass dies darauf Einfluss geübt hat, worüber weiter unten, ist etwas anders), ja auch nicht in irgend einem anderen germanischen Wort. Es steckt meiner Meinung nach darin das französische la paye und zwar in dem noch heute in der Picardie lebendigen Sinne von ‘Sold’ (s. Remacle, Dictionnaire Wallon-Français: Paie = ‘ce qu'on donne aux gens de guerre pour leur solde’). Es ist

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eine bekannte Tatsache, dass grosse Scharen von armen Rittern und Abenteurern aus Brabant und Flandern als Söldner in den Dienst französischer Herrscher traten, wobei selbstverständlich la paye eine wichtige Rolle spielte. Es ist dann auch leicht verständlich, dass das fremde Wort in dem Munde des ungebildeten brabantischen Kriegers auf das Geldstück übertragen wurde, das er wöchentlich oder monatlich zur Bezahlung für die von ihm geleisteten oder zu leistenden Dienste erhielt. Freilich weiss ich hinsichtlich der Bedeutungsentwicklung kein paralleles Wort zur Stütze anzuführen, an der Möglichkeit des von mir angenommenen Ganges zweifle ich aber gar nicht1). - Durch den von mir angenommenen Ursprung wird es auch klar, warum unser Wort in der mittelniederländischen Litteratur eben nur aus Brabant und Flandern belegt ist.

In lautlicher Hinsicht wäre freilich im Mittelniederländischen *lapaye zu erwarten. Abgesehen aber davon, dass französische Lehnwörter im Mittelniederländischen vorkommen, die wegen der schwachen Aspiration der französischen Tenues b statt p aufweisen (s. Salverda de Grave, De Franse woorden in het Nederlands S. 247), kommt in unserm Fall noch ein Umstand hinzu. Die Brabantischen Söldner (‘les Brabançons’) waren nicht nur wegen ihrer Tapferkeit sondern auch, und vielleicht mehr, wegen ihres wilden, zügellosen Lebens bekannt, und es wird wohl nicht lange gedauert haben, bis sie ihr Geld verzecht oder verspielt hatten. Die Anknüpfung des französischen (mit schwachgehauchter Tenuis ausgesprochenen) la paye an das germ. labben ‘trinken, zechen’ lag deshalb sehr nahe und wird sicherlich einerseits zum vollständigen Übergang von p zu b, andererseits zur Bildung des Verbums labayen ‘trinken

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usw.’ (eig. ‘das Geld verzechen’?) beigetragen haben. Unter dem Einfluss dieses Verbums erhielt nun labay(e) die Bedeutung von ‘Trinkgelage, Fest’, oder vielleicht bildete man davon ein Postverbale mit diesem Sinne, das dann zur Genüge das neutrale Geschlecht erklären würde. Als Zusammensetzungen dieses Wortes sind labaybroot und labaymaerte anzusehen. Als letzte Stufe der Entwickelung steht schliesslich labay im Sinne von ‘Mehl’. Für diese Bedeutung weiss ich keine andere Erklärung zu geben, als dass wir darin ein Missverständnis des ersten Gliedes der Zusammensetzung labaybroot hätten, indem man wegen anderer, der äusseren Gestalt nach ähnlichen Zusammensetzungen (z.B. roggebroot, tarwebroot), wo das erste Glied das Brotmaterial bezeichnete, labay eben als ein solches Material auffasste. Als ursprüngliche Bedeutung in diesem Sinne wäre mit Stallaert die von ‘de beste, de fijnste bloem van meel’ anzunehmen.

 

Lund.

n. otto heinertz.